Schalenamöben

A.1 Gattung Arcella - Uhrgläschen

Arcella sind mittelgroße (etwa 50 - 150 µm) Schalenamöben mit schirm- bis halbkugelförmigen Gehäusen aus einer wabenförmigen organischen Gerüstsubstanz. Es sind keine Xenosomen eingebaut. Auf der Unterseite besitzen sie eine zentrale runde Körperöffnung. Sie besitzen zwei bis 200 (A. megastoma) Zellkerne.
Nach den Difflugien sind sie die artenreichste Testaceengattung.



Die bei ganz jungen Arcella durchscheinende Schale erlaubt Einblicke in den Körperbau, die bei älteren Exemplaren und bei anderen Testaceen-Gattungen nicht so gut möglich sind.
Die obige aktive Arcella (vulgaris?) streckt zahlreiche Pseudopodien aus der Schalenöffnung.

Das Foto zeigt, dass der Plasmakörper das Gehäuse nicht ausfüllt, er ist durch zahlreiche sogenannte Epipodien in der Schale aufgehängt. Der Kreis in der Mitte ist das Pseudostom, die Mundöffnung auf der unteren Seite der Schale. Durch sie treten die Pseudopodien, die Scheinärmchen aus der Schale, zur Fortbewegung und zum Ergreifen der Nahrung.

Zwei schön strukturierte Schalen:

Die sechseckige Wabenstruktur kommt in der Natur häufig vor. Ihre Anwender „haben damit die nahezu optimale Form gefunden, derartige Zellen zu bauen - von allen möglichen lückenlos anreihbaren Zellformen haben sechseckige das beste Verhältnis von Wandmaterial zu Volumen.“
(Aus Wikipedia)
Harald Netzel beschrieb 1980, dass die Oberflächenwaben der Arcella-Gehäuseoberfläche aus Bauelementen, den „thekagenen Grana“ (schalenbildende Körnchen) gebildet werden die (vergleichbar mit Idiosomen) vor der Teilung in der zukünftigen Mutterzelle gebildet und gelagert wurden.
Das Innenleben einer 80 µm große Arcella bei schiefer Beleuchtung (Kreutz-Blende).
Zwei Zellkerne (K) und vermutlich die von Netzel erwähnten thekagenen Grana (G) im gesamten äußeren Bereich des Plasmakörpers.
67 µm große Arcella. Zellkerne bei 1 und 7 Uhr, pulsierende Vakuolen bei 2 und 5 Uhr.

 

Deflandres Versuch eines Stammbaums der Arcella (1929),
mit meinen Anmerkungen.