Genehmigte Übersetzung aus SirenianVoice Newsletter Winter 2002.
SirenianVoice wird elektronisch und als Druckschrift herausgegeben von Sirenian International, Inc., http://www.sirenian.org.



Nicky, der freundliche Dugong von Mantanani

von Gillian Elliott

Nicky

Seit mehr als zwei Jahren genießen wir bei unseren Tauchgängen rund um unsere Insel Mantanani regelmäßig die Gesellschaft von Nicky, einem jungen männlichen Dugong. Mantanani liegt im südlichen Chinesischen Meer vor Sabah, Malaysia (06 42' Nord, 116 20' Ost).
Nicky erhielt seinen Namen von einer kleinen Kerbe (engl. "nick") in der linken Schwanzflosse, durch die er leicht zu erkennen ist. Er ist ein junges Männchen von etwa zwei Metern Körperlänge, ausgewachsen wird er bis drei Meter lang werden. Normalerweise schwimmt Nicky allein, obwohl es auch andere Dugongs in der Gegend gibt, z.B. ein Weibchen mit ihrem Kalb. Oft sucht er unsere Nähe und tobt um uns herum, während wir schnorcheln oder tauchen. Wenn er von unserer Gesellschaft genug hat, verschwindet er so schnell, daß wir ihm nicht folgen können.

Nicky
Oft beobachten wir Nicky beim Abweiden des Seegrases Halodule sp. in der Bucht. Spuren seiner Wühltätigkeit ziehen sich überall durch die Seegraswiesen. Dugongs sind ein wichtiges Mitglied dieses Ökosystems, das beweist auch ihre enge Gesellschaft mit den Schwarzgoldenen Pilotmakrelen Gnathanodon speciosus auf diesen Fotos. Stachelmakrelen und andere Fische "pilotieren" größere Meerestiere wie Haie, Rochen und Dugong. Pilotfische profitieren von diesem Verhalten in zweierlei Hinsicht: (1) Sie sind vor Freßfeinden geschützt, die sich nicht an diese großen Meerestiere heranwagen. 82) Sie kommen so an kleine Krebstiere und Mollusken heran, die Dugongs oder Rochen bei ihrer Wühlarbeit ans Licht befördern. Gelegentlich nimmt Nicky auch Kontakt mit den Grünen Schildkröten der Gegend auf. Normalerweise sehen wir Nicky am späten Nachmittag bis zum Sonnenuntergang.
Seit sie denken können, haben Fischer in der Nähe der Insel Dugongs beobachtet, obwohl diese in den letzten Jahren seltener geworden sind. Glücklicherweise ist es in dieser Gegend nicht üblich, Dugongs zu essen, daher wird Nicky wohl nicht seines Fleisches wegen gejagt werden - hoffentlich! Die Dorfbewohner von Sabah sind bezüglich Dugong sehr abergläubisch. Sie halten sie für geheimnisvoll, menschenähnlich, und für manche sind sie Seeungeheuer.
Zwar wird somit Nicky nicht durch Jäger bedroht, es gefährden ihn jedoch Schlepp- und Stellnetze, oder Boote könnten ihn überfahren. Außerdem ist sein Lebensraum durch vermehrte Besiedlung der Küsten gefährdet. NickyFrüher wurden Dugongs in ganz Malaysia ihres Fleisches wegen gejagt, das schmackhafter als Rindfleisch sein soll. Auch andere Teile des Tieres wurden verwertet, die Haut wurde zu Leder, aus den Stoßzähnen schnitzte man Messergriffe, die Zähne sollten Asthma heilen, die Knochen wurden zu Medizin oder Talismanen, und die Tränen galten als mächtiger Liebestrank.
Heute sind Dugongs in Malaysia streng geschützt, aber in einigen Gegenden wird noch gewildert. Häufiger ertrinken sie aber in Fischnetzen.
Südostasien entwickelt sich rapide, die Bevölkerung lebt schon heute hauptsächlich an den Küsten. Die Besiedlung der Küsten bringt Umweltverschmutzung mit sich, diese gefährdet den für Dugongs wichtigen Lebensraum der Seegraswiesen. Hoffentlich bleibt Nickys Lebensraum intakt, so daß er gesund erwachsen wird, einen Geschlechtspartner findet, und so seine "freundlichen" Gene einer weiteren Generation von Dugongs in dieser Region vererben kann.

Text und Fotos: Gillian Elliott
Übersetzung: Hans Rothauscher


Mehr Informationen (englisch):

A recent video of Nicky can be seen on YOUTUBE.
Please have a look at : http://www.youtube.com/watch?v=YZ_lAwT0tb0

For information about travel to this area, visit http://www.bornsea.com/mantanani/.

Gillian Elliott is a marine biologist working in the South China Sea near Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia, and a Participating Member of Sirenian International, Inc. http://www.sirenian.org.

Caryn Self-Sullivan contributed to this article using information from the UNEP/IUCN Dugong Status Report and Action Plans for Countries and Territories, UNEP/DEWA/RS.02.1, ISBN 92-807-2130-5, which can be accessed online at http://www.tesag.jcu.edu.au/dugong/.

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